Ambitioniertes Projekt: Die Neuerfindung der Toilette Drucken E-Mail
Freitag, den 30. September 2011 um 10:33 Uhr

Während bei den Deutschen das Badezimmer einen immer höheren Stellenwert genießt und viele sich darüber Gedanken, welche Formen, Linien und Farben denn am besten gefallen, haben Milliarden Menschen auf der Welt ein ganz anderes Problem: Sie haben keinen Zugang zu einer Toilette. Wenn wir bedenkenlos auf die Spültaste drücken, ohne darüber nachzudenken, woher das Wasser kommt, was damit passiert und wie viel wir davon benötigen, ist ein solcher Luxus in vielen Ländern der Erde unerreichbar. Die Bill und Melinda Gates Foundation startet deswegen eine Initiative zu Neuerfindung der Toilette. Dafür stellt sie zunächst drei Millionen Dollar zur Verfügung.

 

Andere Ansprüche an saniäre Anlagen

 

Die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates will mit ihren Projekten dafür sorgen, dass Millionen armer Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu sauberen Sanitäreinrichtungen erhalten. Fast 40 Prozent der Weltbevölkerung sind von diesem Problem betroffen. Dabei sind gerade saubere sanitäre Anlagen wichtig für die die Hygiene. Keine andere Erfindung der vergangenen 200 Jahre habe stärker dazu beigetragen, Leben zu retten und überhaupt die Gesundheitssituation zu verbessern, heißt es bei der Stiftung. Rund 1,5 Millionen Kinder sterben nach Angaben der Organisation pro an Durchfallerkrankungen wegen mangelnder Hygiene.

 

Allerdings geht es nicht darum, die Toilette, wie wir sie kennen, einfach zu exportieren. Sie ist zu teuer, und oftmals verfügen Entwicklungsländer überhaupt nicht über ausreichende Wasserreservoire und –versorgungssysteme. Die Toilette muss also komplett neu erfunden werden: ohne Wasserspülung, ohne Kanalverbindung, ohne Strom. Und sie muss zudem weniger als fünf US-Cent pro Tag und Person kosten. Außerdem muss ein solches Modell einfach zu bauen, zu verwenden und zu warten sein. Dazu arbeitet die Foundation mit acht Universitäten auf vier Kontinenten zusammen. Viele Ansätze verfolgen dabei hochmoderne Technologien, mit denen menschliche Ausscheidungen in Kraftstoff, Düngemittel oder sogar sicheres Trinkwasser umgewandelt werden können.

 

Gemeinsame deutsch-kenianische Arbeit

 

Wichtig ist der Stiftung zudem die Zusammenarbeit mit Gemeinden vor Ort, um langfristige Lösungen zu etablieren und die Menschen von den Vorteilen zu überzeugen. Im Fokus stehen ländliche wie dicht besiedelte Städte gleichermaßen. Weltweit hätten 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicheren sanitären Einrichtungen, so eine Sprecherin. Verbesserte sanitäre Anlagen sind auch wirtschaftlich sinnvoll. Laut der Weltgesundheitsorganisation könnte jeder investierte US-Dollar verneunfacht werden, da die Produktivität erhöht wird und die Gesundheitskosten gleichzeitig gesenkt werden. Krankheit, Behinderung und frühe Todesfälle würden verhindert.

 

Die Bill und Melinda Gates Foundation setzt mehr als 265 Millionen US-Dollar für Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene ein. Die Foundation fördert diesen Bereich seit fünf Jahren, die neue Strategie stellt allerdings eine verstärkte Konzentration auf die Lösung von Problemen im Hygienesektor dar. Auch ein gemeinsames Projekt der deutschen und kenianischen Regierung stellt zehn Millionen Dollar zur Verfügung, um nachhaltige sanitäre Einrichtungen für 800.000 Menschen sowie Wasser für 200.000 Bewohner der städtischen Gebiete Kenias mit niedrigem Einkommen zu unterstützen. Ansprechpartner auf deutscher Seite ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). (fra)

 

Weitere Informationen (externer Link, öffnet in neuem Fenster):

Die Projekte der Bill und Melinda Gates Foundation: http://www.gatesfoundation.org

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 30. September 2011 um 11:15 Uhr