Der "magische Spiegel" bringt Internet ins Bad Drucken E-Mail
Montag, den 12. September 2011 um 08:15 Uhr

Spieglein, Spieglein an der Wand – was ist das Neuste im ganzen Land? So oder ähnlich lässt sich ein Szenario vorstellen, an dem im Entwicklungslabor der us-amerikanischen Zeitung „New York Times“ gearbeitet wird. Ein Spiegel, der nahezu alles kann. Er kann Nachrichten liefern, Twitter-Updates checken, über Medikamentenvorräte wachen und zusätzlich auch noch eine Stilberatung in Sachen Krawatte geben. Bleibt nur die Frage: Wer verbringt so viel Zeit vor dem Spiegel im Badezimmer, dass er alles diese Angebote nutzen kann?

 

Bisher ist das Badezimmer einer der wenigen Räume, in den die digitale Technik noch nicht so richtig Einzug gehalten hat. Kein Wunder, ist die Feuchtigkeit dort modernen Smartphones und Laptops nicht zuträglich. Zu Info- und Entertainment trägt bisher meist einzig allein das Radio bei. Doch damit soll in Zukunft möglichst Schluss sein. Brian House vom "New York Times Research & Development Lab" will die digitale Zukunft auch ins Badezimmer bringen. Und hat sich dazu ausgerechnet den Spiegel ausgesucht. "Der magische Spiegel" – so der Projekttitel – lässt sich per Sprache steuern oder per Gesten über eine Kinectsteuerung. Diese Hardware baut Microsoft beispielsweise in seine Videospielkonsole Xbox 360 Kinect ein.

 

Beim morgendlichen Besuch beispielsweise bringt der Spiegel die neuesten Informationen ins Bad: Schlagzeilen und Videos von der New York Times, die wichtigsten Termine des Tages aus dem persönlichen Kalender oder Mitteilungen von anderen Familienmitgliedern kann der Spiegel einblenden. Doch Brian House von der Times lässt auch ganz neue Anwendungen zu, die mit ihrem eigentlichen Nachrichtengeschäft nichts zu haben. Dabei hilft, dass das Gerät nicht nur ein Spiegel, sondern auch ein Bildschirm ist. So lassen sich persönliche Vorlieben der Nutzer mit rein informationsgetriebenen Angeboten kombinieren.

 

Dazu zitiert das „Nieman Journalism Lab“ der Universität Havard, das über den „Magischen Spiegel“ berichtet, zwei Anwendungsbeispiele. Bereich Gesundheit: Nutzt der Badbesucher beispielsweise ein Medikament, dessen Packung mit einem RFID-Chip versehen ist, kann der Spiegel die Dosierungsanweisungen einblenden. Oder der Spiegel kann darauf hinweisen, dass die Packung bald leer ist und der Nutzer sich eine neue verschreiben lassen sollte. Oder der Spiegel kann anzeigen, welches Familienmitglied welche Arznei nutzt.

 

Falls sich im Spiegel Medikamente oder andere frei verkäufliche Produkte mit RFID-Chip befinden, kann der Spiegel auch Rabattcoupons dazu auslesen. Diese lassen sich auf ein Smartphone laden, der Nutzer kann das entsprechende Geschäft aufsuchen, das Produkt erwerben und den Gutschein einlösen.

 

In der Entwicklung befindet sich zudem ein Spiegel, der noch mehr kann – er gibt Bekleidungstipps. So stellt sich Brian House vor den Spiegel, gibt an, welches Kleidungsstück er tragen möchte, zum Beispiel eine Krawatte. Das Gerät sucht eine entsprechende heraus und blendet sie am Spiegel ein. Es kann dabei berücksichtigen, welche Kleidung House in jüngster Zeit getragen hat und gibt auf dieser Basis Empfehlungen, was er als nächstes tragen könnte. (fra)

 

Weitere Artikel zum Thema:

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 12. September 2011 um 08:17 Uhr